Bio

Premiere: Eine Podcast-Folge ohne Script! Da es in dieser Folge um das  Thema Bio geht, mit dem wir uns beide sehr intensiv beschäftigen, haben wir auf eine umfassende Ausarbeitung verzichtet und reden einfach mal drauf los.

Wie kamen wir auf das Thema? Vor allem deshalb, weil wir (Nicole und Mann) vor kurzem auf einer Bio-Messe hier in Österreich waren – und Felix hat noch ein paar Fragen und Anmerkungen dazu gehabt.


Zusammenfassung zur Bio Messe

Die Messe BIO Österreich fand in Wieselburg statt. Sie war relativ klein, für Österreich aber war es aber wohl eine doch anständige Größe mit etwa 200 Ausstellern. Mit der weltgrößten Bio-Messe, der BIO Fach in Nürnberg, die jedes Jahr im Februar stattfindet, lässt sich das natürlich nicht vergleichen. Interessiert hat es und dennoch, denn uns ging es darum, ein paar Kontakte zu knüpfen und zu schauen, was direkt um uns herum so passiert.

Das Resümee ist allerdings etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite war es gut, da wir einige Sachen kennengelernt haben, von deren Existenz wir vorher noch gar nicht wussten. So hatten wir beispielsweise vorher noch nie von Sauerhonig gehört (Honig mit Essig) und entdeckten somit auch einige kleine Produzenten.

Auf der anderen Seiten hatten wir aber auch oft den Eindruck, dass einfach überall dieser Stempel „BIO“ drauf gedrückt wurde. Im Gespräch mit einigen der Standbetreiber/-Betreuer kam dann mitunter in einem Satz zehnmal das Wort Bio vor und wir fühlten uns doch hin und wieder schlecht beraten.

Nachfragen konnten beispielsweise zum Teil nicht beantwortet werden. Und ging man dann noch ein bisschen in den Bereich der Nachhaltigkeit, sah es noch schlechter aus. Da waren dann 150 Gramm Bio-Gemüse in großer Plastik-Verpackung – für uns nicht gerade zielführend und Bio.

Bio in Österreich ist anders

Felix ist selbst ja schon seit mehr als 10 Jahren in der Bio-Branche unterwegs. Er weiß, dass es gerade in Österreich viele Landwirte und Bauern gibt, aber wenig verarbeitende Unternehmen.

Deshalb geht auch gerade hier viel von der tollen Bio-Ernte nach Deutschland und wird dort verarbeitet. Auch ein Thema, wo man sich fragt, ob das wirklich sein muss. Aber der Bio-Markt war in Deutschland von Anfang an größer und somit auch lukrativer.

Hier in Österreich hat Bio dafür aber eine gewisse Selbstverständlichkeit, da es wirklich noch viele kleine Höfe gibt, die dementsprechend auch noch anders produzieren. Viele Österreicher „jammern“ gern, dass sie ja gar nicht mit den großen Anbietern mithalten können – gerade das könnte man allerdings auch als Stärke bezeichnen.

Dieses Denken spiegelt sich dann aber halt auch auf Veranstaltungen wie beispielsweise der Messe wieder. Die Vermarktung ist dann eher in den Anfängen, somit fehlen auch Hintergrundinfos, die uns dann aber halt interessieren.

Verfolgen wir noch den Bio Grundgedanken?

Schlussendlich ist es ja auch so, dass sich Bio nicht einfach so verkauft, sondern ja auch spürbar teurer als andere Supermarktware ist. Zumindest dann, wenn es „echtes“ Bio ist. Denn auch wenn Bio drauf steht, gibt es da noch Unterschiede zwischen dem „Supermarkt-Bio“ und dem, was man vielleicht auf Märkten bekommt.

Der Grundgedanke von Bio, wie er in den 70er Jahren war, geht da ein wenig verloren. Denn damals machte man sich schon Gedanken über die Nachhaltigkeit und die Unterstützung kleiner Höfe und Produzenten und setzte das in den Fokus.

Dieses eher romantische Bild vom Bauernhof, das damals gezeichnet wurde, findet man heute einfach nicht mehr – gerade weil auch die Bio-Höfe als Kunden oft die Supermärkte haben, die bestimmte Normen erwarten. Und das macht es gerade für kleine Bio-Anbieter schwer, auch nachhaltig zu bleiben.

So ist das Supermarkt-Bio dann zwar günstiger, aber halt auch schon weit vom Grundgedanken entfernt. Echtes Bio muss da dann halt etwas mehr wert sein.

Bio: Discounter oder Fachhandel?

Als Verbraucher stellt sich dann natürlich die Frage: Wie sieht es aus, wenn ich zum Discounter meiner Wahl gehe und dort Bio kaufe? Ich selbst achte sehr darauf Bio zu kaufen – ohne Frage.

Aber wenn ich dann sehe, dass da Bio schon Ramsch-Ware ist, stößt das dann schon etwas sauer auf. Das müssen dann gar nicht mal Reduzierungen sein, sondern es sind schon die herkömmlichen Discounter-Bio-Preise, die mich zum Nachdenken bringen.

Wenn die Dose Bio Kidneybohnen nur 80 Cent kostet, kann da ja irgendwas nicht passen. Ich persönlich denke dann halt auch über Nachhaltigkeit und fairen Handel nach und das ist da bei dem Preis einfach nicht gegeben.

Für den Verbraucher wird es daher immer schwieriger, gute Entscheidungen zu treffen. Das Bio-Siegel allein ist da einfach nicht mehr ein Garant für ein gutes, nachhaltiges Produkt, an dem vor allem auch die Produzenten angemessen verdienen. Es ist auch nicht nachzuvollziehen, wo die Produkte wirklich herkommen.

Da bietet der regionale Bio-Fachhandel Vorteile – aber der fehlt in Österreich ein wenig und das hat man dann natürlich auch auf der Messe gespürt. Dieser regionale Fachhandel verfügt in der Regel über mehr Kompetenzen, kann Rückfragen beantworten und aufzeigen, wo beispielsweise das Stück Fleisch oder Obst wirklich herkommt.

Da darf es dann für uns auch ein wenig mehr kosten, denn auch der Aufwand steigt mit dem Fachhandel.

Kann die Welt von Bio ernährt werden?

Allgemein leben wir ja in einer Überfluss-Gesellschaft und es werden Unmengen von Lebensmitteln einfach weggeworfen. Felix ist daher der Meinung, dass es nicht unmöglich wäre, die Welt von Bio-Lebensmitteln zu ernähren.

Natürlich stellt der Bio-Anbau andere Herausforderungen als der konventionelle. Aber wenn wir uns erlauben können, die konventionellen Lebensmittel in diesem Ausmaß wegzuwerfen, wie wir es tun, ist da viel Luft für Bio.

Sehr problematisch ist vor allem auch, dass Bio-Ernten wieder untergepflügt werden, nur weil die Kartoffeln vielleicht nicht so hübsch aussehen. Das wurde uns so anerzogen – wir kennen aus dem Supermarkt nur das „hübsche“ Gemüse. Dementsprechend kaufen wir auch nur das.

Uns ist da mitunter komplett die Verbindung zur Natur abhanden gekommen. In Österreich noch nicht so schlimm wie in Deutschland, aber der Trend geht eindeutig in diese Richtung. Da muss wieder gegengearbeitet werden.

Hier und da gibt es schon einige tolle Projekte im Bereich Urban Gardening oder solidarische Landwirtschaft. Das dürfen aber gern noch mehr sein. Dafür muss sich aber auch unsere Einstellung wieder ändern.

Bio? Ja, aber …

Nicole ist auch heute noch zwiegespalten. Auf der einen Seite achtet sie auf Bio, auf der anderen Seite ist sie allerdings hin und wieder auch ein Pfennigfuchser. Neben der Bio-Box, die einmal wöchentlich von Felix kommt, wird dann auch auch „Discounter-Bio“ eingekauft.

Richtige Bio-Läden gibt es hier auch nicht und beim Hofladen bei einem Bauern kann man auch nicht immer sicher wissen, wo er die Waren her hat und wie sie angebaut/verarbeitet wurden. Hier wurde das mit dem Fachhandel irgendwie verschlafen und die Supermarkt-Ketten haben den Markt schnell für sich beansprucht.

Somit fehlt ein wenig auch die Aufklärung, warum es wirklich Sinn macht, mehr für echte Bio-Lebensmittel zu investieren. Die Bio-Branche müsste hier mehr Initiative ergreifen und erklären.

Wer sich nicht von allein damit auseinandersetzt, bekommt sonst aus den Medien nur mit, dass Bio Humbug und Geldmacherei ist. Dazu verwirren die verschiedenen Abstufungen im Bereich Bio, wie Demeter etc. Der Verbraucher ist damit überfordert und schert alles über einen Kamm – das Vertrauen in Bio ist damit dann nicht mehr sehr groß, wenn es mal wieder irgendwo einen Skandal gibt.

Natürlich gibt es Anbieter von Produkten, die Schindluder mit dem Label treiben und einfach einen höheren Preis erzielen wollen, nur weil Bio drauf steht. Aber das sind halt nicht alle, es gibt große Unterschiede.

Bio Label

Aber wie ist das jetzt eigentlich wirklich mit dem Bio-Label. Ist das geschützt oder hat man als Hersteller/Landwirt die Möglichkeit seine Produkte zu labeln, ohne Vorgaben einzuhalten?

Vor einigen Wochen wurden ja auch erste Supermärkte mit Demeter-Produkten ausgestattet, die ja dafür stehen, die strengsten Vorschriften einzuhalten. Das klingt im ersten Moment natürlich gut, aber einzelne Betriebe könnten dann dazu verleitet werden, auf Masse zu produzieren – und das geht dann meist auf Kosten der Qualität.

Schon heute müssen Landwirte hart ums Überleben kämpfen, kommen nur durch Subventionen über die Runden oder betreiben die Landwirtschaft nur noch als Nebenberuf, weil es sich sonst nicht rechnet. Die Bio-Bewegung sollte da ursprünglich für bessere Bedingungen sorgen. Aber das zerstört man dann durch die Forderung nach Masse wieder.

Die Siegel sind also nicht mehr wirklich das, wofür sie mal gestanden haben. Als Verbraucher bleibt einem da nur, auf seinen Menschenverstand zu vertrauen, regional zu kaufen und vielleicht auch bei den Landwirten in der Region das Gespräch zu suchen, um zu erfahren, wie dort die Produkte angebaut und verarbeitet werden.

Wer keine Landwirte in der Nähe hat, findet online inzwischen viele Händler, die Bio-Ware direkt nach Hause liefern. Kleinere, regionale Messen können dann zeigen, wen es da in der Umgebung gibt. Auch wir haben auf der Bio-Messe den Betreiber einer tollen Öl-Mühle kennengelernt, die nur wenige Autominuten von uns entfernt ist – uns aber vorher einfach nicht bekannt war.

Bio kaufen tut gut

Gute (Bio-)Produkte bringen einfach viele Vorteile mit sich. Sie tun uns und unseren Körper gut, unterstützen uns dabei, wieder richtigen Genuss zu lernen.

Die Kosten für „Billig-Ware“ entstehen dann an ganz anderen Stellen. Von Umweltverschmutzung über vermehrte Krankheitsfälle und Allergien fällt da einiges an. Was man bei Nahrungsmitteln spart, zahlt man dann später bei Medikamenten wieder drauf. Das sollten wir immer im Kopf behalten.

Wir denken derzeit einfach zu kurz, machen es uns in unserer Komfortzone zu gemütlich. Es ist jedoch wichtig, genauer hinzuschauen und vor allem auch zu reagieren.

Nicole hat für sich entschieden: Wo es möglich ist und Sinn macht, landet Bio-Ware im Einkaufskorb. Beim Besuch des Wochenmarkts allerdings, wo auch tolles Obst und Gemüse vom Landwirt aus dem Nachbarort zu finden ist, braucht es nicht unbedingt ein Bio-Siegel. Es macht also Sinn rauszugehen und mit den Leuten zu sprechen, um neue Erfahrungen zu machen und neue Einsichten zu gewinnen.

Tja, die Folge war diesmal wirklich anders und vielleicht auch etwas länger – aber es hat uns Spaß gemacht. Und uns interessiert jetzt deine Meinung.

Schreib uns, ob du meinst, dass die Welt von Bio ernährt werden kann oder ob es vielleicht nur Humbug ist, was wir hier reden. Achtest du selbst auf Bio und besondere Label wie Demeter?

Als Goodie haben wir diese Woche eine tolle Idee: Wir haben für dich einen kleinen Wegweiser durch den Bio-Dschungel erstellt, den du natürlich wieder kostenlos in unserer Community herunterladen kannst! Das nimmt einen Teil der Verwirrung und hilft im Alltag, Entscheidungen zu treffen.

Alle Links aus der Folge:

Felix zu Löwenstein „Food Crash“

Greenpeace-Spruch „Geld nicht essen kann“

Öl-Mühle

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