Urgetreide

Jetzt machen wir schon so lange den Podcast und haben doch noch nie wirklich darüber gesprochen, was Felix eigentlich so macht. Es hat sich zwar schon gezeigt, dass er Getreideexperte ist und auch im passenden Shop Produkte vertreibt – aber darauf eingegangen sind wir noch gar nicht.

Als ich Felix vor gut einem Jahr kennenlernte, habe ich ihn für einen Artikel schon mal interviewt – und jetzt sprechen wir natürlich auch gern hier darüber, was er da eigentlich so macht und wie er dazu gekommen ist.

Fangen wir am besten damit an, was Urkorn eigentlich ist. Urkorn ist eigentlich ein umgangssprachlicher Ausdruck für Urgetreide und darunter fast man viele alte Sorten zusammen, zu denen unter anderem der Kamut Khorasan Urweizen gehört, der viele gesundheitliche Vorteile bringt und sehr gefragt ist.

Über diesen Urweizen hat Felix auch den Zugang zu diesem Thema gefunden. Die gesundheitlichen Aspekte hatte er schon in seiner vorherigen Berufslaufbahn als Therapeut und Ernährungsberater kennengelernt. Davon war er so begeistert, dass der Kamut für ihn der Einstieg ins Thema war. Zu den weiteren alten Sorten gehören Einkorn, Emmer und Waldstaude.

Natürlich gibt es noch einige mehr, die aber auch schon züchterisch behandelt wurden. Die Urgetreide sind jedoch nicht behandelt und noch in ihrer ursprünglichen Form – zumindest die meisten. Das sieht man gut am Beispiel des Dinkels, den viele für das Urgetreide schlechthin halten.

Es gibt jedoch viele moderne Züchtungsformen vom Dinkel und die sind nicht mehr so ursprünglich, wie spezielle alte Sorten. Da muss man dann also schon drauf achten, dass man da (wenn man Wert darauf legt) auch wirklich den Urdinkel bekommt.

Auf die Idee, Urgetreide zu verkaufen, kam Felix dann aber auch nicht von heute auf morgen, auch wenn er es von der Arbeit her kannte. Der Weg vom Therapeuten zum Online-Shop-Betreiber war etwas länger.

Nach der sporttherapeutischen Ausbildung und der Arbeit in dem Beruf hat Felix von Medizin studiert und dann beschlossen, sich für ein Jahr eine Auszeit zu nehmen, um zur Ruhe zu kommen. In dieser Zeit war er auf Bio-Bauernhöfen unterwegs und hat sich mit dem Bau von Permakultur-Anlagen beschäftigt.

Dort hat er auch andere Menschen kennengelernt, die ähnliche Interessen hatten und auch aus dem Umfeld der Ernährungs- und Gesundheitsbranche kamen. So kam es dann auch zum Austausch über die Verwendung von alten Getreidesorten, gerade im gesundheitlichen Bereich.

Durch die Beschäftigung mit dem Thema hat Felix zudem Einblick in viele größere Unternehmen genommen und Erfahrungen gesammelt, die ihm die Augen geöffnet haben. Daraus ist der Wunsch entstanden, dem allgemeinen gesundheitsschädlichen Trend im Bereich entgegen zu wirken. Der moderne Hybrid-Weizen ist beispielsweise sehr schädlich, wie auch in den Büchern „Dumm wie Brot“ oder „Die Weizenwampe“ beschrieben ist.

Aber diesen Themenbereich greifen wir noch mal extra auf. Viel interessanter finde ich, wie Felix jetzt speziell zum Kamut Khorasan Weizen gekommen ist. Ich hatte bis zum letzten Jahr beispielsweise noch nie davon gehört, sehe aber jetzt häufiger Produkte damit. So bekannt war er also wahrscheinlich die letzten Jahre bei uns auch noch nicht, oder?

In Montana, in den USA, bastelt man seit den 70er Jahren daran, den wieder zu vermarkten. Er ist eigentlich nur in der Bio-Szene bekannt, aber er wird auch wegen der vielen Unverträglichkeiten bekannter.

Nach einem Vortragsabend an einem Bio-Hof saß Felix mit anderen zusammen und waren nicht wirklich begeistert davon, wie Getreide heute angebaut wird und was es mitunter anrichtet. Sie waren sich einig, dass sich da was ändern muss.

Übers Netzwerk kamen sie dann in Kontakt mit Dr. Robert „Bob“ Quinn, der sich das Khorasan Getreide als Saatgut unter dem Namen Kamut markenrechtlich schützen ließ. Damit wollte er verhindern, dass große Konzerne wie Monsanto daran kommen und etwas verändern. Es darf also nur so angebaut werden, wie es ist. Die Geschichte von Bob Quinn selbst lässt sich auch online nachlesen und ist unten verlinkt.

Dr. Robert Quinn entschloss sich aber nicht nur, den Khorasan Weizen biologisch und ursprünglich anzubauen und zu vermarkten, sondern strengte auch Forschungen an. Es wurde beispielsweise erkannt, dass der Insulin-Spiegel gesenkt wird und auch Leute mit Unverträglichkeiten dieses Brot aus dem Urweizen problemlos essen konnten. Diese und weitere Erkenntnisse führten zu den Forschungen, die beispielsweise auch in Italien durchgeführt wurden, wo der Kamut sehr bekannt und beliebt ist.

Es gibt also inzwischen einige Studien, die die Auswirkungen vom Khorasan-Weizen bestätigen. Und das hat Felix und auch andere schlussendlich so überzeugt, dass sie beschlossen, Kontakt aufzunehmen und mit einem Vertrieb in Deutschland zusammen arbeiteten.

Daraus entstand dann irgendwann der Gedanke, es noch größer zu machen, es auch regional zu etablieren und so kamen sie nach Österreich, wo sie auch schon Versuche mit heimischen Landwirten gestartet haben.

Der Anbau ist vom Klima her sehr schwierig, aber mit anderen Sorten zeigten sich schon tolle Erfolge, daher werden auch die mit angeboten. So stellten sie auch schnell fest, dass andere Urgetreide ähnliche Eigenschaften wie das Khorasan haben, also auch weitaus besser verträglich sind als moderne Getreide. Die Nachfrage nach den Produkten ist immer mehr gestiegen und so entstand dann auch der Online-Shop, in dem es inzwischen so einiges zu entdecken gibt.

Die angesprochenen gesundheitlichen Aspekte sind natürlich sehr interessant. Menschen, die beispielsweise unter einer Gluten-Unverträglichkeit leiden, können Brot aus Kamut-Mehl essen. Was aber auch interessant ist: Urgetreide hat eine viel höhere Nährstoff-Dichte.

Gerade Mineralstoffe wie Selen und Zink sind noch darin vorhanden. Und es ist die einfachste Möglichkeit, diese über das Brot zu sich zu nehmen. Moderne Getreide sind hingegen auf Ertrag gezüchtet – und sind daher eher arm an Nährstoffen.

Beim Brot sieht es zum Beispiel so aus, dass wenn du das erhitzt, eine Mineralstoffe zwar enthalten bleiben, aber auch einige Vitamine das nicht überstehen. Aber dafür gibt es ja noch andere Formen, wie du das Urgetreide zu dir nehmen kannst, wo von der Produktion her halt nicht so eine starke Hitzeeinwirkung ist. Das wäre z. B. bei der Pasta, die nur kurz erwärmt werde muss, oder bei Flocken oder dem Couscous, den man nur quellen lassen muss. Damit hat man dann auch den Vitamin-Anteil mit drin.

Es gibt also eine große Auswahl an Produkten aus Kamut Khorasan und und anderen Urgetreiden, die auch bei Felix im Shop erhältlich ist. Der Couscous ist jetzt beispielsweise ganz neu dabei. Gerade weil die Ernte bei Urgetreiden nicht so groß ist, ist der Couscous ein interessantes Produkt.

Viele sind erst einmal abgeschreckt, wenn sie die Preise bei den Urgetreide-Waren sehen und vergleichen sie mit den herkömmlichen Produkten aus dem Supermarkt. Dabei muss man aber sehen, dass hier wirklich nur kleine Mengen geerntet werden können und die Produktion der einzelnen Waren auch oft nur auf kleinen Bio-Bauernhöfen, zumeist sogar händisch geschieht.

Gerade momentan ist mehr Nachfrage als Angebot da und das lässt die Preise steigen. Da wird dann auch gern mal zum Wettergott gebetet, damit die Ernte gut ausfällt und die Preise im nächsten Jahr stabil gehalten werden können.

Man versucht also aus dem wenigen was man hat, möglichst viel zu erhalten und da ist Couscous eine tolle Möglichkeit. Damit werden aus dem Getreidekorn möglichst viele Nährstoffe heraus geholt, um auch eine gesunde Mahlzeit zu bereiten. Und darauf kommt es ja letztendlich an.

Man muss halt auch bedenken, dass die ursprünglichen Getreide den Umwelteinflüssen noch viel mehr ausgesetzt sind als die gezüchteten Sorten heute, die selbst bei widrigsten Umständen Ertrag liefern, aber halt auch zu Unverträglichkeiten führen können.

Gerade hier sollte auch viel mehr Aufklärung passieren. Viele Menschen wissen einfach nicht, dass es diese bekömmlichen Urgetreide gibt, mit denen sie vielleicht auch trotz Unverträglichkeiten und Allergien noch eine Scheibe Brot genießen könnten.

Gerade beim Brot kommt es aber natürlich auch immer auf die Herstellung an, wo es ja auch immer weniger Handwerk gibt. Gerade ein echtes Sauerteig-Brot mit einer Langezeit-Teigführung, in Kombination mit alten Getreidesorten ist natürlich toll. Und da hat Felix auch das Glück, dass es noch Bäcker vor Ort gibt, die wirklich ihr Handwerk beherrschen und das umsetzen.

Um nochmal zum Preis von den Produkten zurückzukommen: Klar, es mag im ersten Moment ziemlich teuer erscheinen. Man muss aber auch bedenken, dass ein normales Brot nicht so sättigt, wie es ein Urgetreide-Brot tut. Es ist ein anderer Sättigungsgrad und der wird teilweise sogar schon beim Müsli von Felix‘ Kunden festgestellt. So relativiert sich auch der Preis wieder ein bisschen.

Ja, die Leute brauchen weniger um satt zu werden und bleiben aber auch länger satt. Viele sagen sogar, dass ein ganz anderer, besserer Geschmack darin ist. So wird es nicht nur aus gesundheitlichen Gründen gekauft, sondern auch, weil es einfach viel besser schmeckt. Der Geschmack steht da also im Vordergrund.

Der Grundgedanke für den Verkauf von Urgetreide-Produkten war aber für Felix wirklich ein anderer. Er hatte erkannt, dass mit dem heutigen Getreide-Anbau viel kaputt gemacht und vor allem die Umwelt wirklich stark und nachhaltig geschädigt wird. Er findet daher, es muss zurück zu den kleinen Bauernhöfen gehen, die mit ursprünglichen Sorten die Natur und den Boden wieder heilen können. Das war der Anreiz für alles, was entstanden ist.

Jetzt wissen wir schon eine ganze Menge über die Vorteile der Produkte und auch über den tollen Geschmack. Das wird bestimmt einige Hörer schon neugierig gemacht haben. Der Shop ist ja immer mit verlinkt im Podcast – nicht nur heute.

Aber, es gibt sicherlich auch etwas, was Felix noch als Goodie für alle geben kann, die eine Bestellung aufgeben. Die Einzelheiten dazu gibt es in unserer Community – als Ersatz für das Freebie, das wir sonst immer haben.

Links aus der Folge:

Artikel Urkorn

Link Shop

Buch Dumm wie Brot

Buch Weizenwampe

Geschichte Bob Quinn Kamut

Angebot
Backen mit Urkorn - Dinkel, Emmer, Kamut und andere Getreide(*)
  • Ulrike Schneider (Autor), Jutta Schneider (Autor), Michael Will (Fotos)
  • Herausgeber: Thorbecke
  • Auflage Nr. 1 (29.08.2016)
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